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7. November 2013 4 07 /11 /November /2013 18:30

Verhaltensgesetze: Das Gesetz der Macht

Mann-ohne-Kopf_klein.jpgDie Auswirkungen des Gesetzes der Macht liegen auf der Hand. Schon der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass wir dem Menschen, den wir als übergeordnet und wichtig einschätzen, mehr Glauben schenken, eher Vertrauen entgegenbringen und ihn für kompetenter halten. 

Im Dunstkreis der Macht bewegen sich Experten, Berufsstände mit hohem Ansehen, wie beispielsweise Ärzte oder Wissenschaftler. Das spiegelt sich auch darin, welch hohen Stellenwert immer noch akademische Titel in unserer Gesellschaft haben. „Immer noch“ sage ich, weil immer wieder und immer häufiger Doktorarbeits-Betrüger entlarvt werden. Wir Nicht-Doktores lachen uns dann ins Fäustchen - Schadenfreude.

Warum sind wir so leicht zu kriegen?

Viele Menschen neigen dazu, den Aussagen von Ärzten einfach zu glauben, obwohl wir rational wissen, dass auch hier eine ganze Menge Fehler passieren. Kleinere Fehler tun weh, große sind final und damit dramatisch. Nur am Rande: „Das Aktionsbündnis Patientensicherheit schätzt, dass jährlich etwa 17.000 Patienten durch ärztliche Behandlungsfehler sterben.“  Nur zum Vergleich: Im Straßenverkehr waren 2012 weit weniger als 4000 Todesfälle zu beklagen.

Machtzuschreibung gründet unter anderem auf Expertenstatus. Verfügen Sie in einem Gespräch oder einer Kommunikationssituation nicht von vorneherein über eine bestimmte Machtposition oder eine hohe Expertenzuschreibung, ist es sinnvoll und hilfreich einen Expertenstatus, beispielsweise durch Fachkompetenz, aufzubauen. Verfügen Sie über solch eine Position und solch einen Status aus Sicht des Gesprächspartners oder des Publikums, können Sie fast alles fordern, was Sie wollen. Die Menschen werden Ihnen folgen. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich folgendes berühmte Experiment an.

Schock: Wir machen fast jeden Mist

„Das Milgram-Experiment ist ein erstmals 1961 in New Haven durchgeführtes psychologisches Experiment, das von dem Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Der Versuch bestand darin, dass ein „Lehrer“ – die eigentliche Versuchsperson – einem „Schüler“ (ein Schauspieler) bei Fehlern in der Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen elektrischen Schlag versetzte. Ein Versuchsleiter (ebenso ein Schauspieler) gab dazu Anweisungen. Die Intensität des elektrischen Schlages sollte nach jedem Fehler erhöht werden. Diese Anordnung wurde in verschiedenen Variationen durchgeführt.“

Wie stark Autorität in den Menschen wirkt, zeigen die erschreckenden Ergebnisse: Von den 40 Versuchsteilnehmern gaben auf Anweisung des Versuchsleiters 26 Stromstöße bis 450 Volt (tödlich), nur 14 brachen vorher ab. Alle hatten ab einem bestimmten Punkt erhebliche Bedenken. Der größte Teil der Versuchspersonen machte einfach weiter – der Versuchsleiter musste es ja wissen.

Aber heutzutage...

Jetzt können Sie sagen, das sei 1961 gewesen. Da herrschten noch eher Obrigkeitsdenken und Autoritätsgläubigkeit vor. Die Menschheit hat sich weiterentwickelt. In unseren Breiten sind heute mehr Menschen gebildet. Dann werfen Sie einen Blick auf die neuere Forschung – nun lesen Sie schon!

„Beim Milgram-Experiment quälten vor knapp einem halben Jahrhundert normale Bürger andere Versuchspersonen. Zwei Drittel der Testpersonen waren bereit, auf autoritäre Anweisungen Grausamkeiten zu begehen. Jetzt ist der Versuch wiederholt worden – mit erschreckenden Ergebnissen. (...) Jetzt hat der Psychologe Jerry M. Burger von der Santa Clara University in Kalifornien das Experiment erneut durchgeführt und damit die Hoffnung zerstört, die Menschheit hätte sich seit den frühen 60er Jahren moralisch weiterentwickelt. Trotz gesellschaftlicher Liberalisierung, der gestiegenen Bedeutung individuellen Glücks, der harschen Kritik an traditionellen Autoritäten und der Emanzipation von konventionellen Zwängen hat sich die Zahl derer, die sich einer unmenschlichen Anweisung verweigern, nicht erhöht. Im Konfliktfall bleibt ein Drittel moralisch standfest, und zwei Drittel gehorchen.“

Wir passen uns Mächtigen an

Das Gesetz der Macht funktioniert nach wie vor bestens – leider. Damit arbeitet Werbung sehr gerne. Sogenannte Experten, Autoritäten, Wissenschaftler, Doktoren (der Titel ist das entscheidende), Berühmtheiten oder Zahnarztfrauen – ja, auch Zahnarztfrauen weisen wir Autorität bezüglich Zahnpflege zu! – erwischen uns sozusagen unbewusst durch die gespielte Autorität via zugeschriebener Kompetenz.

Einige Politiker haben das erkannt und versucht, sich einen Doktortitel zu erschleichen. Das ging nach hinten los. Und sie wussten genau, warum sie sich auf das Spielchen eingelassen hatten. Menschen reagieren unbewusst auf vermutete oder echte Macht. „Kommunikationsexperten haben herausgefunden, dass Menschen bei Gesprächen unbewusst ihre Stimme und ihre Sprechweise an die ihrer Gesprächspartner anpassen, wenn es sich bei diesen um Personen mit hohem Prestige handelt. Eine Studie untersuchte dieses Phänomen anhand von Gesprächen aus der Larry King US-Talkshow. Wenn King Gäste von hohem Rang und Namen interviewte (beispielsweise Bill Clinton, George W. Bush oder Barbara Streisand) passte er seine Sprechweise der ihrigen an. Hatten seine Gäste jedoch einen weniger hohen Status, passten sich diese ihrerseits der Sprechweise des Moderators an.“

Kleider machen Leute - auch heute

Besonders gerne „buckeln“ wir unbewusst vor den Tricks des Äußerlichen, weil wir bestimmten Dingen dadurch Autorität zuweisen. „Kleider machen Leute“ stimmt insofern, als wir bestimmter Kleidung besondere Attribute zuweisen. Uniformen mit Glitzer und Flimmer sind die direkteste Ausprägung davon – wir reagieren schon auf bloße Symbole. Null GMV. Die älteren unter uns erinnern sich an den Hauptmann von Köpenick – ein armer Schlucker im Deutschland Anfang des 20sten Jahrhunderts probiert eine Hauptmannsuniform an ... und schon geht es los. Wir verbinden mit bestimmtem Äußeren – Klick-Surr – unbewusst Status, Autorität, Macht, Geld... oder eben das Gegenteil.

So ist schon mancher Verkäufer an einem guten Geschäft vorbeigeschlittert, weil er den „Aufzug“ eines Interessenten voreilig in die falsche innere Schublade steckte. Der Millionär, der nach dem Sport im Trainingsanzug bei Ferrari oder Porsche vorbeischaute, wurde keines Blickes gewürdigt, zog unverrichteter Dinge wieder ab und gab die 180 Tausend einem aufmerksameren Verkäufer.

 

Quelle: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-02/behandlungsfehler-todefaelle
http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment, 29.02.2012
http://www.welt.de/vermischtes/article2487625/Wie-normale-Menschen-zu-Folterknechten-werden.html, 29.02.2012
Robert Cialdini: Die Psychologie des Überzeugens, 2007, S.270

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Published by Jürgen - in GMV Wissen
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